WENN EIN MANN SICH NICHT TREFFEN WILL

Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil der Erde uns geweiht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Das wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei- des Ziegenmelkervogels hören kann oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu sichern, das ihr versprochen habt wenn ein mann sich nicht treffen will. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Er schickt Maschinen, um dem weißen Mann bei seiner Arbeit zu helfen, und baut große Dörfer für ihn. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, daß die Erde erfüllt ist von den Seelen unserer Vorfahren wenn ein mann sich nicht treffen will. Wenn wir euch Land verkaufen, müßt ihr wissen, daß es heilig ist, und eure Kinder lehren, daß es heilig ist, und daß jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüßten, wovon der weiße Mann träumt, welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so daß sie sich nach einem Morgen sehnen. Wir werden euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys und des Menschen - sie alle gehören zu der gleichen Familie. Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die eure. Aber in eurem Untergang werdet ihr hell strahlen, angefeuert von der Stärke des Gottes, der euch in dieses Land brachte und euch bestimmte über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt ihren letzten. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt wahrscheinlich der weiße Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land. Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann kaufen? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt ihr sie kaufen? Könnt ihr denn mit der Erde tun, was ihr wollt, nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet und es dem weißen Manne gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt ihr sie von uns kaufen? Könnt ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist? Wir werden euer Angebot bedenken. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken. Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen, anzunehmen, so nur unter einer Bedingung: Der weiße Mann muß die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder. Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme.

Es sind nicht mehr viele. Wo einst die Jagd- und Fischgründe der Indianer waren, stehen heute Stahlwerke, Maschinenfabriken, Werften und viele andere Großbetriebe, darunter die ausgedehnten Anlagen der Boeing-Werke, die Flugzeuge und Raketen herstellen. Aber kann das jemals sein? Gott liebt euer Volk und hat seine roten Kinder verlassen. Und wenn wir euch unser Land verkaufen, so müßt ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße Mann spürt, daß der Wind süß duftet von den Wiesenblumen. Aber vielleicht nur deshalb, weil ich ein Wilder bin und nicht verstehe. *  . Wenn wir unser Land verkaufen, so müßt ihr euch daran erinnern und eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder und eure -, und ihr müßt von nun an den Flüssen eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch. Er macht euer Volk stärker, Tag für Tag. Unsere Krieger wurden beschämt. Alles ist verbunden. Selbst der weiße Mann - dessen Gott mit ihm verwandelt und redet, wie Freund zu Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt und besiegt. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Aber wir sind Wilde. Seattle, die nach dem Häuptling benannte Stadt im Staate Washington, ist ein wichtiger Handelsmittelpunkt. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Denn eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt. Vielleicht sind wir doch - Brüder. * Diese Rede wurde 1855 von Chief Seattle, Häuptling der Duwamish-Indianer, vor dem Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika gehalten. Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, daß er unser Land zu kaufen gedenkt, so verlangt er viel von uns. Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der roten und der weißen. Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Das ist nicht viel, was uns verbindet. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Wir werden abseits und in Frieden leben.

Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Und mit all eurer Stärke, eurem Geist, eurem Herzen erhaltet es für eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle liebt. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Unsere Toten vergessen die wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Völker bestehen aus Menschen - nichts anderem.. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als die Wüste. Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht. Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem: das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Nein, Tag und Nacht können nicht zusammen leben. Vielleicht sind wir doch Brüder - Wir werden sehen. Wir werden euer Angebot bedenken. Seiner Väter Gräber und seiner Kinder Geburtsrecht sind vergessen. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen, kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land. Aber wenn wir euch unser Land verkaufen, dürft ihr nicht vergessen, daß die Luft uns kostbar ist, daß die Luft ihren Geist teilt mit all dem Leben, das sie erhält. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten erzählen andere Geschichten. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selber es wünscht - gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort. Der große Häuptling teilt uns mit, daß er uns einen festen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns leben können. Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer. Aber warum soll ich trauern um den Untergang meines Volkes. Und der Wind muß auch unseren Kindern den Lebensgeist geben. com    Erzählung nach einer Rede des Häuptlings Seattle vor dem Präsidenten der USA im Jahre 1855   Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, daß er unser Land zu kaufen wünscht. Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott, dem die Erde gehört.

Ihr müßt eure Kinder lehren, daß der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter ist. .

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wenn ein mann sich nicht treffen will

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